Über die Hypnose
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Dr. Benedict Ungar  
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Über die Hypnose:

Meiner Erfahrung nach wollen viele Patienten vor einer Hypnosebehandlung sich zunächst informieren. Im Folgenden finden Sie häufig gestellte Fragen, zu denen ich Stellung nehmen möchte.

1. Gibt es überhaupt einen hypnotischen Zustand?
Ja, trotz der Skepsis mancher Patienten, die wahrscheinlich durch falsche Vorstellungen entstanden ist. Die Erfahrungen mit der Hypnose sind sehr alt. Diese wird von Wissenschaftlern nicht in Frage gestellt. Außer der Möglichkeit, Leute zu hypnotisieren, gibt es auch objektive Parameter wie EEG-Befunde und veränderte Laborwerte des Blutes in der Hypnose. Es wird angenommen, dass nicht nur eine formal eingeleitete Induktion einen hypnoiden Zustand bewirkt. Im täglichen Leben merken wir oft, wie unser Gegenüber uns nicht mehr zuhört und auch sein Blick in die Ferne abschweift. Dieses alltägliche Beispiel soll ebenfalls einen hypnoiden Zustand darstellen.

2. Was ist Hypnose?
Wie werde ich mich in diesem Zustand fühlen und wie wird es mir dabei ergehen? Hypnose ist ein Zustand, in dem unsere Aufmerksamkeit auf innere Bilder und Themen fokussiert ist- bei reduzierter aber nicht aufgehobener Wahrnehmung unserer Umgebung. Es ist so, als ob man morgens aufwacht, sich evtl. noch mit Trauminhalten befasst und "nicht ganz da ist". So ungefähr fühlt man sich in der Hypnose. Wir sind sehr relaxiert und die meisten empfinden den Zustand als sehr angenehm. Es handelt sich jedoch nicht um Schlaf, weil man durchaus auch äußere Geräusche wahrnehmen kann.

3. Bin ich in Hypnose willenlos?
Dies wird nach allgemeiner Auffassung verneint. Man behält die Kontrolle und tut und sagt nichts in Hypnose, was man auch nicht im wachen Zustand tun oder sagen würde. Manche Patienten haben Angst ausgefragt zu werden. Dieses ist - wie oben angeführt - nicht möglich. Wenn z.B. der Therapeut den Patienten fragen sollte, wie viel er verdient und dieser die Frage nicht beantworten möchte, dann würde er deutlich zu erkennen geben, dass er das nicht sagen will. Allerdings muss dazu noch ergänzt werden, dass eine vertrauliche und offene Beziehung zwischen Patient und Therapeut, wie auch in anderen Psychotherapien, angestrebt wird. Im Allgemeinen sollte der Patient sich darauf einstellen, seine "Geheimnisse" preiszugeben. Dazu ist der Rahmen gegeben, da der Therapeut unter der ärztlichen, gesetzlich vorgegebenen Schweigepflicht, steht.

4. Kann es sein, dass ich von der Hypnose nicht wieder aufwache?
In meiner langjährigen Praxis habe ich dies noch nie erlebt. Eine solche Möglichkeit wird auch allgemein verneint. Angenommen, der Patient wird hypnotisiert und der Therapeut beendet nicht die Hypnose, weil er einen Schlaganfall erlitten hat. In einem solchen Fall geht in der Regel die Hypnose in einen Schlaf über. Danach wacht der Patient regulär auf.

Theoretische Aspekte:
Für die Hypnosetherapie sind die Suggestibilität, die Fähigkeit in kindhafte Zustände zu regredieren, sowie der Rapport wichtige Parameter. Die heutige Hypnose ist sehr geprägt durch den schon verstorbenen amerikanischen Psychiater Dr. Erickson. Er hat im Gegensatz zur klassischen Hypnose Interventionen partnerschaftlich, nicht autoritär und indirekt formuliert. Es wurden von ihm Versenkungszustände, in dem der Patient regrediert, dazu benutzt, um ausgearbeitete Techniken anzuwenden. Hier werden zwei Techniken vorgebracht, die die "neue Hypnose" verwendet:

In der Affektbrücke wird der Patient in Hypnose aufgefordert zu ähnlichen emotional belastendenden Vorfällen, wie der gegenwärtige Vorfall, zeitlich zu regredieren.

In der Technik des "Safe Place" (sicherer Raum) wird dem Patienten in Hypnose "verankert", dass, wenn Angstzustände auftreten, er z.B. die Hand zur Faust ballen sollte, um sich dadurch in eine sichere Situation zu versetzen.

Der Rapport ist in der Hypnosetherapie sehr wichtig. Er wird definiert als positives Gefühl des Einverständnisses, das den Zustand der Aufgeschlossenheit für das Neue und Kreative ermöglicht.

Die Hypnose als Zugang zum Unterbewusstsein hat seit eh und je Wissenschaftler fasziniert. Für den Psychiater Erickson war es eine Möglichkeit, "die gewohnheitsmäßigen bewussten Haltungen außer Kraft zu setzen und unbewusste Suchvorgänge und Prozesse auszulösen." Schon Freud, für den das Unbewusste sehr wichtig war, entdeckte die Hypnose und verwendete sie. Seine exakte Vorgehensweise mit der Hypnose ist mir nicht bekannt. Er bemerkte, dass, wenn er z.B. eine Beinlähmung weghypnotisierte, es bei den damals weitverbreiteten hysteroiden Patientinnen zu Armlähmungen kam. Dies enttäuschte ihn. Er verwarf die Hypnose meines Erachtens vorzeitig und gebrauchte seine noch jetzt angewandte Methode der freien Assoziation. Später wurde dazu von den Psychoanalytikern die Erklärung von Anna Freud (1938) zitiert, dass in der Hypnose die Widerstände umgangen werden. Freud gebrauchte den Traum als Zugang zum Unbewussten, dies wird heute noch benutzt. Freud waren Kenntnisse der Hypnose, die wir heute haben, nicht bekannt. Es ist sicherlich erstaunlich, in Anbetracht der Aufwändigkeit der psychoanalytischen Behandlung, dass man diesen bekannten Zugang zum Unbewussten von der Psychoanalyse nicht näher "unter die Lupe" genommen hat.