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Meiner Erfahrung nach wollen viele Patienten
vor einer Hypnosebehandlung sich zunächst informieren. Im Folgenden
finden Sie häufig gestellte Fragen, zu denen ich Stellung nehmen
möchte.
1. Gibt es überhaupt einen hypnotischen Zustand?
Ja, trotz der Skepsis mancher Patienten, die wahrscheinlich durch
falsche Vorstellungen entstanden ist. Die Erfahrungen mit der Hypnose
sind sehr alt. Diese wird von Wissenschaftlern nicht in Frage gestellt.
Außer der Möglichkeit, Leute zu hypnotisieren, gibt es
auch objektive Parameter wie EEG-Befunde und veränderte Laborwerte
des Blutes in der Hypnose. Es wird angenommen, dass nicht nur eine
formal eingeleitete Induktion einen hypnoiden Zustand bewirkt. Im
täglichen Leben merken wir oft, wie unser Gegenüber uns
nicht mehr zuhört und auch sein Blick in die Ferne abschweift.
Dieses alltägliche Beispiel soll ebenfalls einen hypnoiden
Zustand darstellen.
2. Was ist Hypnose?
Wie werde ich mich in diesem Zustand fühlen und wie wird es
mir dabei ergehen? Hypnose ist ein Zustand, in dem unsere Aufmerksamkeit
auf innere Bilder und Themen fokussiert ist- bei reduzierter aber
nicht aufgehobener Wahrnehmung unserer Umgebung. Es ist so, als
ob man morgens aufwacht, sich evtl. noch mit Trauminhalten befasst
und "nicht ganz da ist". So ungefähr fühlt man
sich in der Hypnose. Wir sind sehr relaxiert und die meisten empfinden
den Zustand als sehr angenehm. Es handelt sich jedoch nicht um Schlaf,
weil man durchaus auch äußere Geräusche wahrnehmen
kann.
3. Bin ich in Hypnose willenlos?
Dies wird nach allgemeiner Auffassung verneint. Man behält
die Kontrolle und tut und sagt nichts in Hypnose, was man auch nicht
im wachen Zustand tun oder sagen würde. Manche Patienten haben
Angst ausgefragt zu werden. Dieses ist - wie oben angeführt
- nicht möglich. Wenn z.B. der Therapeut den Patienten fragen
sollte, wie viel er verdient und dieser die Frage nicht beantworten
möchte, dann würde er deutlich zu erkennen geben, dass
er das nicht sagen will. Allerdings muss dazu noch ergänzt
werden, dass eine vertrauliche und offene Beziehung zwischen Patient
und Therapeut, wie auch in anderen Psychotherapien, angestrebt wird.
Im Allgemeinen sollte der Patient sich darauf einstellen, seine
"Geheimnisse" preiszugeben. Dazu ist der Rahmen gegeben,
da der Therapeut unter der ärztlichen, gesetzlich vorgegebenen
Schweigepflicht, steht.
4. Kann es sein, dass ich von der Hypnose nicht wieder aufwache?
In meiner langjährigen Praxis habe ich dies noch nie erlebt.
Eine solche Möglichkeit wird auch allgemein verneint. Angenommen,
der Patient wird hypnotisiert und der Therapeut beendet nicht die
Hypnose, weil er einen Schlaganfall erlitten hat. In einem solchen
Fall geht in der Regel die Hypnose in einen Schlaf über. Danach
wacht der Patient regulär auf.
Theoretische Aspekte:
Für die Hypnosetherapie sind die Suggestibilität, die
Fähigkeit in kindhafte Zustände zu regredieren, sowie
der Rapport wichtige Parameter. Die heutige Hypnose ist sehr geprägt
durch den schon verstorbenen amerikanischen Psychiater Dr. Erickson.
Er hat im Gegensatz zur klassischen Hypnose Interventionen partnerschaftlich,
nicht autoritär und indirekt formuliert. Es wurden von ihm
Versenkungszustände, in dem der Patient regrediert, dazu benutzt,
um ausgearbeitete Techniken anzuwenden. Hier werden zwei Techniken
vorgebracht, die die "neue Hypnose" verwendet:
In der Affektbrücke wird der Patient in Hypnose aufgefordert
zu ähnlichen emotional belastendenden Vorfällen, wie der
gegenwärtige Vorfall, zeitlich zu regredieren.
In der Technik des "Safe Place" (sicherer Raum) wird
dem Patienten in Hypnose "verankert", dass, wenn Angstzustände
auftreten, er z.B. die Hand zur Faust ballen sollte, um sich dadurch
in eine sichere Situation zu versetzen.
Der Rapport ist in der Hypnosetherapie sehr wichtig. Er wird definiert
als positives Gefühl des Einverständnisses, das den Zustand
der Aufgeschlossenheit für das Neue und Kreative ermöglicht.
Die Hypnose als Zugang zum Unterbewusstsein hat seit eh und je
Wissenschaftler fasziniert. Für den Psychiater Erickson war
es eine Möglichkeit, "die gewohnheitsmäßigen
bewussten Haltungen außer Kraft zu setzen und unbewusste Suchvorgänge
und Prozesse auszulösen." Schon Freud, für den das
Unbewusste sehr wichtig war, entdeckte die Hypnose und verwendete
sie. Seine exakte Vorgehensweise mit der Hypnose ist mir nicht bekannt.
Er bemerkte, dass, wenn er z.B. eine Beinlähmung weghypnotisierte,
es bei den damals weitverbreiteten hysteroiden Patientinnen zu Armlähmungen
kam. Dies enttäuschte ihn. Er verwarf die Hypnose meines Erachtens
vorzeitig und gebrauchte seine noch jetzt angewandte Methode der
freien Assoziation. Später wurde dazu von den Psychoanalytikern
die Erklärung von Anna Freud (1938) zitiert, dass in der Hypnose
die Widerstände umgangen werden. Freud gebrauchte den Traum
als Zugang zum Unbewussten, dies wird heute noch benutzt. Freud
waren Kenntnisse der Hypnose, die wir heute haben, nicht bekannt.
Es ist sicherlich erstaunlich, in Anbetracht der Aufwändigkeit
der psychoanalytischen Behandlung, dass man diesen bekannten Zugang
zum Unbewussten von der Psychoanalyse nicht näher "unter
die Lupe" genommen hat.
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